Sehenswert

Slieve League

Die Klippen von Slieve League

Wer von den bekannten Cliffs of Moher mit ihren „nur“ 200 Meter tief in den Atlantik abfallenden Klippen beeindruckt war, sollte unbedingt die Slieve League Klippen in Donegal besuchen. Mehr als dreimal so hoch wie die Cliffs of Moher und touristisch noch wenig erschlossen sind sie ein beeindruckendes Erlebnis.

Das Wetter sollte sich schon von seiner schönsten Seite zeigen, wenn man zu den Slieve League Klippen aufbricht. Zumindest trocken und nicht sehr windig sollte es sein. Zum einen hat man dann eine bessere Sicht und zum anderen ist gerade der sogenannte „One-Man‘s-Path“ (der Ein-Mann-Pfad) bei Nässe ziemlich glitschig – aber dazu später mehr. Vom malerischen Örtchen Adera fährt man über den Glengesh Pass bis nach Teilinn. Dann geht’s weiter zum Bunglass Point (wörtlich: Ende der Klippen). Der schmale kurvige Weg führt zwischen mächtigen Felsbrocken immer weiter hinauf in Richtung Himmel – so jedenfalls fühlt sich die Steigung fast an. Und zwischendurch blitzt immer wieder das Meer durch die Lücken in der Felsformation, so dass man einen kurzen Blick aufs ruhig in der Sonne golden schimmernde Wasser werfen kann. Auf dem – übrigens fast leeren – Parkplatz in ca. 400 Metern Höhe angekommen, hat man schon einen grandiosen Blick auf das Meer der  Donegal Bay. Man kann hier beschilderten Wegen folgen oder sich einfach ins Gras setzen und aufs Meer schauen. Wenn man den Trampelpfad nach oben geht und dann einen Blick zurück zum Parkplatz wirft, sieht man Felsbrocken, die das Wort „Eire“ (Eigenname Irlands) ergeben. Das ist ein Überbleibsel aus dem 2. Weltkrieg, in dem Irland war zwar offiziell neutral war, aber trotzdem für die alliierten Kampfpiloten den sogenannten „Donegal Korridor“ durch diese eindeutigen Schriftzeichen kenntlich gemacht.

Der Weg vom Parkplatz aus endet rechts vor der atemberaubenden Steilwand von Bunglass Point. Von dort geht’s – allerdings nur für ganz Mutige und wirklich Schwindelfreie – auf dem „One Man’s Path“ (Ein-Mann-Pfad) weiter. Dieser ca. 3 km lange und sehr schmale Trampelpfad auf dem Klippenkamm führt nach Malin Beg. Die Aussicht ist atemberaubend, jedoch sollte man dort nur bei trockenem Wetter und wenig Wind gehen. Einige, die die Wucht des Wetters überschätzten, sind schon ziemlich kleinlaut auf allen Vieren wieder zurückgeklettert oder leider auch abgestürzt.

Die ganze Zeit kann man  den Blick kaum von den Klippen und dem weit unten liegenden Meer abwenden. Nicht weit von den Klippen entfernt im Landesinneren sind noch die Reste einer frühchristlichen Klosteranlage zu finden. Und am Ende des Carrigan Head erinnert die Ruine eines Wachtturms an die Zeit des frühen 19. Jahrhunderts, als die Nordwestküste Irlands gegen einen Angriff Napoleons gesichert wurde.

Wer sich die beeindruckende Höhe Klippen lieber vom Wasser aus ansieht, kann in den Sommermonaten von Teilinn oder Killybegs aus Bootsfahrten zu den Klippen buchen.

Text: Anna Soldan. Fotos: Jan O. Deiters