Reportage

Unsere Farm in Irland

… Klappe … Action … vor Ort am Film-Set bei einer der erfolgreichsten Irland-Serien im deutschen Fernsehen.

Irland ist sehr beliebt als Drehort für große und kleinere Film- oder Fernsehproduktionen. Zurzeit machen die Fantasy-Fans der „Game of Thrones“-Filme vor allem Nordirland unsicher. Doch auch die weniger bekannten Filme oder Fernsehserien werden gern in Irland gedreht. So zum Beispiel schalteten Millionen Menschen gern ihren Fernseher ein, wenn Serien wie „Unsere Farm in Irland“ über die Flachbildschirme flimmert. Wir waren bei solch einem Dreh in Clonakilty an der Südwestküste Irlands hinter den Kulissen dabei.

Wer die locker-lässig wirkenden Szenen am TV verfolgt, glaubt kaum, welche Detailarbeit wirklich dahinter steckt und wie viele einzelne Dinge zu berücksichtigen sind, damit hinterher das Geschehen am Bildschirm für den Zuschauer stimmig ist. Auf was muss derjenige achten, der für die „Continuity“ also die gleiche Ausstattung der Szene oder Bekleidung und Frisuren der Schauspieler, verantwortlich ist. Und: sieht man später im Film auch keine verräterische Spiegelung mehr beispielsweise in den Schaufenstern? Wer in der Szene nichts zu suchen hat, muss also weg gehen. Und dann ruft der Regisseur: „Ton“, „Kamera“, „Ruhe“, „Action“. Ach ja, die Blumenampel vor dem Geschäft. War die nicht bei der letzten Einstellung rechts von der Eingangstür? Wo ist das Ding überhaupt. Schließlich muss ja alles immer so aussehen, wie in der vorigen Szene, selbst wenn die vor Stunden oder gar Tagen gedreht wurde. Ansonsten sind die Zuschauer verwirrt, spüren eine Unlogik. Zwar kann man die oft nicht direkt benennen, aber es bleibt ein komisches Gefühl zurück. Gleiches gilt für Frisuren, Kleidung, Lichtverhältnisse, Hintergrundgeräusche und vieles mehr. Und dann der deutliche Ruf vom Aufnahmeleiter: „Atmo, bitte Ruhe!“

Und tatsächlich verstummen umgehend sämtliche Gespräche, geräuschintensive Arbeiten werden unterbrochen und mit einem kurzen Wink in Richtung Ton beginnt die Aufnahme von Atmosphäre, also all den Geräuschen, die auch dann da sind, wenn die Filmcrew nicht mehr anwesend ist. Diese Aufnahmen werden später an den richtigen Stellen wieder eingespielt, passend zu irgendwelchen Straßenszenen aus dem kleinen Örtchen.

Größere Probleme gibt es dann, wenn die Darsteller unpässlich sind: der Esel beispielsweise, der in einer Schlüsselszene einfach nur auf die Schauspieler zulaufen und eine Möhre aus der Hand naschen soll. Klingt einfach, ist es aber nicht, denn Esel sind sehr eigenwillig. Zunächst hat der Tiertrainer das „richtige“ Tier gesucht und mit ihm geübt und der Esel hat immer brav mitgespielt – solange die Kamera aus war. Sobald es aber „ernst“ wird, also die Kamera läuft, bleibt er stur stehen und bewegt sich keinen Zentimeter. Alles Zureden oder schieben nutzt nichts – er steht wie fest gewachsen. Der Tiertrainer bläst die Szene schließlich ab und sagt den fast 20 Leuten, die für die Szene vor Ort sind, dass es an diesem Tag nix mehr werden wird. Die Szene muss also verschoben werden. Und jetzt? Was kann man vorziehen und stattdessen drehen?

Nach einem Blick ins  Drehbuch wird die Location gewechselt. Alle benötigte Technik wird schnell zusammen gepackt. Kamera, Lichtaufbau, Schienen, Elektrik, Ton, alles muss in die drei Autos des Filmteams geladen werden. Nach einer viertel Stunde Fahrt kommen wir am anderen Drehort an, einem alten Herrenhaus mit einem wunderschönen Park. Das Wetter spielt auch mit und so werden dort einige Szenen im Garten gedreht, alles klappt wie am Schnürchen. Profis eben. Zwischendurch gibt es im schnell aufgebauten Verpflegungszelt noch was Nahrhaftes – ein knurrender Magen würde nur die Tonaufnahmen stören.

Das Faszinierende an solch einem Set-Besuch ist: Am Bildschirm sieht man immer nur einen kleinen Ausschnitt der wirklichen Szenerie. Und dann auch nur das, was schlussendlich gedreht und zusammengeschnitten wurde. Die ganzen Vorüberlegungen sind nicht zu sehen und alles drumherum bleibt verborgen. Gleichzeitig kann man mit unterschiedlichen Perspektiven den Eindruck erwecken, man sei an völlig unterschiedlichen Orten, obwohl die Drehorte eigentlich nur ein paar hundert Meter entfernt liegen. So lässt sich eine Illusion erzeugen und aufrecht erhalten, die aus einer Aneinanderreihung von Szenen eine in sich stimmige Handlung ergibt.

Die Serie wurde im Südwesten von Cork produziert. Diese Gegend rund um Skibbereen, Baltimore, Glandore, Rosscarbery und Clonakilty gehört gewiss zu den besonders schönen Gegenden Irlands. Hier finden sich nah beieinander die meisten der Irland-Klischees, also traumhafte Landschaft, romantische Küste und pittoreske kleine Dörfer und Städtchen. Auch ohne Besuch an einem Filmset lohnt sich der Aufenthalt dort. Versprochen!

Übrigens – Der geneigte Lesende möge beachten: Der Regisseur der Serie hält eine unserer damaligen Ausgaben der Zeitschrift „Irland EDITION“ in Händen und dirigiert damit die Aufmerksamkeit der Schauspieler in Richtung Kamera. Das war schon irgendwie cool. Heute sind Zeitschrift und TV-Serie in den Hintergrund getreten, aber zu dieser Zeit war das einfach angesagt und beide Medien begründeten mit ihrer hohen Reichweite ein steigendes Interesse an Irland – was sich letztlich heute in den hohen Besucherzahlen niederschlägt.

Text: Anna Soldan. Fotos: Jan O. Deiters