Sehenswert

Verwunschene Glebe Gardens

Baltimore hat so viel mehr zu bieten, als „nur“ eine Piratenburg. Wenn man in das verschlafen scheinende Örtchen hereinfährt, sollte man unbedingt Halt machen im Garten von Jean und Peter Perry, den „Glebe Gardens“.

Wir hatten den Tipp bekommen, doch mal die „Glebe Gardens“ in Baltimore zu besuchen. Also fahren wir wieder ans Ende der Welt und suchen ein Hinweisschild, welches uns den richtigen Weg weisen soll. Wir wussten, wenn wir am Hotel vorbei sind, sind wir schon zu weit. Also umgedreht und siehe da – ein großes Schild am Eingang weist uns den Weg. Es ist noch früh, keine 10 Uhr und wir sind offensichtlich die ersten Besucher. Die Sonne scheint und lässt die Blumenpracht der Beete richtig leuchten.

Aus einem Gewächshaus kommt ein Mann mit den typischen erdverdreckten Gärtnerhänden und lächelt uns an. Wir stellen uns vor und schon sind wir in ein Gespräch mit Peter Perry, dem Eigentümer, verwickelt. Er, seine Frau Jean und eine Hilfskraft bewirtschaften den Garten. Wir bekommen einen Plan in die Hand gedrückt und dürfen dann das Gelände auf eigene Faust erkunden.

Wenn wir hier von Garten sprechen, dann ist das mit unseren Gärten kaum vergleichbar. Es ist schon eher ein Park, der getrennt durch mannshohe Hecken, in mehrere Bereiche gegliedert ist. Wir gehen durch den Gemüsegarten, den Garten für Teekräuter und den Teil, in dem Schnittblumen wachsen, die auch verkauft werden. Obwohl das ein Wirtschaftsbetrieb ist, sieht es hier irgendwie verwunschen aus und man erwartet eigentlich, dass einem auf einem der schmalen Wege Feen und Elfen entgegenkommen. Die „Gwendoline Harold Barry Bridge“ führt uns über den Bach zum „Amphitheater“. Von hier aus hat man dann einen umwerfenden Blick hinaus aufs Meer. Für Kinder gibt es den „Swing and Childrens Bamboo Forest“, eine Art Irrgarten aus Bambus, in dem sich herrlich Versteck spielen lässt. Die Ziegen „Kitty“ und „Daisy“ und weitere 35 Hühner und Hund „Woody“ runden das Erlebnis Garten ab.

Je nachdem, zu welcher Jahreszeit man hier vorbei kommt, sieht es im Garten naturgemäß anders aus. Im Frühling ist der Irisgarten ein Farbenmeer, im Sommer stehen die Blumenrabatten in voller Blüte und im Herbst tragen die Obstbäume ihre Früchte. Unser Weg führt und am leise plätschernden Brunnen „Lilly Pond“ vorbei zum Café. Aus einem Auto werden gerade leckere Kuchen und Torten hinein getragen, in der Sonne stehen Tische und Stühle und laden zum Verweilen ein. Peter Perry kommt noch einmal auf einen kleinen Plausch vorbei und wir erfahren, dass der Name „Glebe Gardens“ (Pfarrland) darauf hindeutet, dass das Gelände einmal Kircheneigentum gewesen sein muss.

Seit 1998 bewirtschaften Jean und Peter Perry das Gelände. In den vergangenen Jahren haben die beiden das ehemals brachliegende Grasland in ein Füllhorn aus Obst-, Gemüse-, Kräuter- und Blumengarten verwandelt. Und sie haben ihr Paradies zwischen Ostern und September auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Mittlerweile zählt er zu den 100 schönsten Gärten in Irland und ist Teil des „West Cork Garden Trails“. In den Sommermonaten finden immer häufiger Veranstaltungen statt. Peter erzählte uns stolz, dass sie vor einigen Jahren sogar den berühmten Schriftsteller Seamus Heaney für eine Lesung in ihrem Garten gewinnen konnten. Wer in der Nähe urlaubt, sollte sich mal den Veranstaltungskalender anschauen.

Nach dem Aufenthalt in den märchenhaften „Glebe Gardens“ fällt uns die Rückkehr ins „normale“ Leben irgendwie schwer, so wunderbar anders war es dort.

Geöffnet von Ostern bis September Mittwoch bis Sonntag von 10-17 Uhr, Freitags und Samstags abends auch von 19 bis 22 Uhr. Mehr Info unter www.glebegardens.com

Text: Anna Soldan, Fotos: Jan O. Deiters